In Schwetzingen findet sich das älteste Rangtheater Europas. Mit Rokokotheater, Mozartsaal und einer großen Parkanlage bietet das Schloss einen eindrucksvollen Rahmen für Musikfestspiele, die hier konkret seit 1952 in den Monaten April und Mai vom SWR veranstaltet werden. Die Schwetzinger Mozartgesellschaft veranstaltet im September / Oktober dann das Schwetzinger Mozartfest, 2026 vom 25. September bis 11. Oktober. Und auch im Winter finden hier Konzerte statt.

Bild oben: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Pressebild, Tobias Schwerdt

Schwetzingen, Schlosstheater, Mozartsaal
68723 Schwetzingen
Schwetzinger SWR Festspiele
Schwetzinger Mozartfest
Winter in Schwetzingen

In Schwetzingen hat sich die ehemalige Residenz der Kurfürsten von der Pfalz erhalten. Die barocke Fünfflügelanlage wurde ab 1752 im Auftrag von Karl Theodor von der Pfalz nach einem Entwurf von Nicolas de Pigage (1723-1796) auf einem bereits vielfach bebauten und teilzerstörten Terrain erbaut (1) – im Sinne eines Gesamtkunstwerkes – und heute vom Land Baden-Württemberg gepflegt. (2) Die in Mannheim residierenden Pfälzer Wittelsbacher hatten das ehemalige Jagdschloss Schwetzingen zu einer opulenten, repräsentativen Sommerresidenz umstrukturiert. Der Theatersaal gehört heute zu den seltenen, erhaltenen Barockbauten dieses Typs, zu nennen sind dabei das Bayreuther Markgrafentheater oder das Münchner Cuvillées-Theater. Bemerkenswert sind in Schetzingen die vor die durchlaufenden Balkone, die vor die Arkaden der Logenöffnungen gessetzt sind – eine durchaus französisch anmutende Konstellation.

Der Theatersaal (Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer)

Festspiele und Radio-Öffentlichkeit

1952 gründete der damals SDR genannte Rundfunk Festpiele für Opern- und Konzertaufführungen. Mit der politischen Zusammenführung von Baden und Württemberg im selben Jahr stand die Verteilung besonderer Institutionen und Veranstaltungen an bestimmten Orten an. Schwetzingen erhielt in diesem Zusammenhang die Chance, mit den Festspielen zur kulturellen Bedeutung des badischen Raums beizutragen. Der SWR gab seit 1952 über 30 Opern in Auftrag, die in Schwetzingen uraufgeführt wurden – etwa an Werner Egk, Hans Werner Henze, Aribert Reimann und andere.

Die kunst- und architekturhistorisch herausragenden Innenräume locken rund ums Jahr BesucherInnen an, mit den Musikfestspielen wird der ursprünglichen Funktionalität der Sommerresidenz Rechnung getragen. Auf den Programmen stehen alte und neue Musikwerke, geboten werden Bühnen für Musik, Literatur und Oper. Gegenwärtig passen etwa 500 Gäste ins Theater. Im Rahmen einer Generalsanierung wurde 1974 das bis dahin komplett mit Maschinerie und Schnürboden erhaltene Bühnenhaus abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

Der Mozartsaal

In der Herbst-Wintersaison finden Konzerte ausschließlich im Mozartsaal statt, einem Saal im südlichen Zirkelbau. Der 260 Quadratmeter große, etwas nüchterne Rechtecksaal ist beheizbar und für Veranstaltungen mit unterschiedlichen Stuhlreihen möblierbar, maximal für rund 260 Personen und eignet sich vorzüglich für Kammermusik-Formate. Der Saal diente ursprünglich als „Speisesaal“ und wurde von Franz Wilhelm Rabaliatti (1716-82) entworfen, der neben Alessandro Galli da Bibiena, Johann Adam Breunig, Nicolas de Pigage und Johann Jakob Rischer zu den bedeutendsten Barockbaumeistern der Kurpfalz zählt. Die Stukkaturen stammen von Giuseppe Antonio Albucci.

Schwetzingen, Mozartsaal (Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Günther Bayerl)


(1) Wiltrud Heber: Die Arbeiten des Nicolas de Pigage in den ehemals kurpfälzischen Residenzen Mannheim und Schwetzingen (= Manuskripte für Kunstwissenschaft in der Wernerschen Verlagsgesellschaft. 10.) 2 Bände. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1986; Nicolas de Pigage 1723–1796. Architekt des Kurfürsten Carl Theodor. Ausstellungskatalog Düsseldorf und Mannheim. Köln 1996
(2) Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg sind eine nicht rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts innerhalb des Landesbetriebs Vermögen und Bau Baden-Württemberg. Der Landesbetrieb Vermögen und Bau ist eine Einrichtung der Körperschaft des öffentlichen Rechts Land Baden-Württemberg im Sinne von § 26 Abs. 1 der Landeshaushaltsordnung von Baden-Württemberg.
Ursula Baus

Herausgeberin Dr. Ursula Baus studierte zunächst Kunstgeschichte und Philosophie in Saarbrücken, dann Architektur in Stuttgart und Paris. War Redakteurin einer Fachzeitschrift für Architektur, gründete mit gleichgesonnenen Kolleg(inn)en 2004 die Partnerschaftsgesellschaft frei04 publizistik. Ist beziehungsweise war diversen Gremien, Stiftungen (Bundesstiftung Baukultur, stellv. Beiratsvorsitzende; Schelling Architekturstiftung, Vorstand), Kuratorien (IBA Basel) tätig. Als Lehrbeauftragte für Architekturtheorie und -kritik auch immer auf der Suche nach jungen Talenten. Ist vor allem an Grenzbereichen interessiert: Architektur, Stadt, Ökonomie, Politik – und Musik.