Die Protestantische Kirche Haardt ist 1781-82 als Walmdachbau mit langrechteckigem Grundriss erbaut worden, der Glockenturm wurde erst 1867 hinzugefügt. Die Stumm-Orgel aus dem Jahr 1785 gehört zu den historisch bedeutsamen Instrumenten der Pfalz, aber bei den Konzerten, die Peter Tilling hier seit einigen Jahren regelmäßig gibt, spielt sie keine Rolle. Peter Tilling hat in der Kirche das Festival risonanze erranti etabliert – und hin und wieder spielt er dort auf dem Cello Bach, Cassadó, Gabrielli – und vor allem Neue Musik.
Protestantische Kirche Haardt
Mandelring 58, 67433 Neustadt an der Weinstraße
Gemeindebüro: Schütt 9, 67433 Neustadt
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Festival risonanze erranti
Peter Tilling, Cellist und dezidierter Freund Neuer Musik, hat ein sicheres Gespür dafür, klassische und Neue Musik in einem gemeinsamen Programm unterzubringen. Zu einem der ersten Konzerte dieser Reihe schrieb Gertie Pohlit in der »Rheinpfalz« am 11. Juli 2021: »Das macht er nämlich durchaus geschickt. So prunkte die Werkfolge … mit ihm selbst als Cello-Solisten im Duo mit Miklós Spanyi am Fortepiano mit den frühen Cello-Sonaten von Ludwig van Beethoven, op.5,1 und 2. Und das keineswegs, um die beiden zeitgenössischen Werke dazwischen fürs Konzertpublikum goutierbarer zu machen. Vielmehr folgte Tilling konsequent dem Motto ›Innovation und Aufbruch‹, Qualitäten derentwegen gerade Beethoven, dieser bis heute unfassbar geniale Epochenüberflieger, stets von Neuem aktuell bleibt.«

10. Juli 2021 Festival risonanze erranti, Konzert in der Haardter Kirche. Dieser Partitur Neuer Musik kann man es – auch als Laie – bereits ansehen, dass man sich als Laie ein derartiges Musikstück nicht als CD auflegen würde. Aber wenn man den Musikern, wie hier in der Kirche, direkt zuschauen und zuhören kann, wird die Neue Musik zum Erlebnis. (Foto: Wilfried Dechau)
Der dritte Abend dieser 2021 begonnenen Reihe fand am 10. Juli 2021 in der »feinen protestantischen Kirche Haardt mit ihrer traumhaft noblen Akustik« statt, so Gertie Pohlit.

Die protestantische Kirche Haardt, Blick zur Empore. Die Kirche wird quer zum Raum erschlossen – rechts im Bild der Eingang (Foto: Wilfried Dechau, 14. Dezember 2025)
Und weiter: »Zwei fabelhafte Partner hatte Tilling, der Cello-Solist, sich für diese sehr außergewöhnliche Konfrontation der Moderne mit den ›Urwurzeln‹ ausgesucht. Andreas Martin, Lautenist mit Reputation auf den einschlägigen Podien der Welt, vielfach Partner von Counter Andreas Scholl, entführte – man kann es kaum anders formulieren – mit seinem Spiel auf der Renaissance-, der Knickhalslaute in eine Aura der Stille, der Kontemplation. Mit John Dowland, Josquin des Prez, nicht zuletzt dem Virtuosen Hans Neusidler, der in den 30er Jahren des 16. Jahrhunderts das Lautenspiel erstmals auch zum Studienobjekt erhob, erwachte unter Martins feinsinnig gestaltenden Händen die Welt des Minnesangs wie ein raumgreifendes Mysterium. Er zelebrierte das kunstvolle Gespinst der bald melancholischen, bald ausgelassen artifiziellen Melismen so behutsam, geschmackvoll, dabei emotional eindringlich, dass im Kirchenschiff so etwas wie lautlos pochende Stille entstand. Faszinierend und eigentlich unbeschreiblich.«
Leise Töne mit der Laute…
Die Laute ist ja, anders ihr Name vermuten läßt, keineswegs laut. Die fragilen, zarten und warmen Töne der Laute vermochten den Kirchenraum überraschend zu füllen – unterstützt natürlich dadurch, dass alle Zuhörer mucksmäuschenstill wurden und Andreas Martins Spiel andächtig lauschten. Zum Nach-Hören hätte ich die Stücke von Dowland und Neusidler gern auf CD gehabt. Aber da mußte Andreas Martin leider passen. Bei Youtube fand sich dann wenigstens ein Mitschnitt eines RheinVokal-Konzertes in Speyer – mit Bach-Suiten auf der Laute gespielt. Unbedingt hörens- und sehenswert.

14. Dezember 2025, Peter Tilling spielt die Ricercari per Cello solo von Domenico Gabrielli (Foto: Wilfried Dechau)
… und dem Cello …
Die Haardter Kirche und Peter Tilling sind inzwischen in einem Atemzug zu nennen. Leider wissen viele Musikinteressierte gar nicht, was ihnen entgeht, weil Peter Tilling viel zu wenig die Werbetrommel rührt. So spielte er am 14. Dezember 2025 die vierte Bach-Suite und einige Stücke von Gabrielli für Cello-Solo – und viel zu wenige Musikfreunde kamen in den Genuss, ihm zuzuhören.

28. August 2026 Peter Tilling spielt die Cello solo Suite Nr. 1 von Johann Sebastian Bach (Foto: Wilfried Dechau)
… in der protestantischen Kirche Haardt
Am 28. August 2026 spielte er nun Johann Sebastian Bachs Cello Suite Nr. 1 und einige Stücke von Cassadó, Gabrielli, Henze und Tilling. Beim Spiel ist er ganz bei sich, ganz eins mit seinem Instrument. Weil er es selbst viel zu wenig tut, möchten wir hier jetzt für ihn ein bißchen Werbung machen: Am 25. September 2026, 19 Uhr findet der siebte Teil des Festival risonanze erranti statt – mit Musik von Hans Werner Henze, György Kurtag und Peter Tilling. Und wo wohl? In der Protestantischen Kirche Haardt. Hingehen! Eintritt frei. Um Spenden wird gebeten.

Protestantische Kirche Haardt, Neustadt, Mandelring 58, Westseite, Ansicht vom Mandelring (Foto: Wilfried Dechau)
Die Kirche hat einen langrechteckigen Grundriss (etwa 10 x 25 Meter). Der Eingang befindet sich mittig auf der westlichen Langseite, das heißt, sie wird quer erschlossen. Altar (und Konzertpodium) sind gegenüber vom Eingang, in der Mitte der östlichen Langseite, die Orgelempore ist im Norden und, gegenüber, eine weitere Empore im Süden. Die Bankreihen stehen einander gegenüber, die eine Hälfte ist nach Süden, die andere nach Norden ausgerichtet. Das hat zur Folge, dass die Ausrichtung zu Altar und Konzertpodium etwas unkomfortabel ist. Auf der einen Seite verdreht man den Kopf nach links, auf der anderen nach rechts. Sowohl für Gottesdienste als auch für Konzerte wäre es funktional klüger, die Bankreihen im Halbkreis oder doch um 45 Grad verdreht zum den Altar anzuordnen. An der gegenwärtigen Anordnung der Bankreihen etwas zu ändern, könnte kaum auf Widerstand stoßen, denn sowohl die Kirche als auch die Inneneinrichtung stehen zwar unter Denkmalschutz, aber die Bankreihen zu drehen ist reversibel.



