Das städtebauliche Ensemble am Berliner Gendarmenmarkt zwischen Charlotten- und Markgrafenstraße wird vom Französischen Dom im Norden, dem Deutschen Dom im Süden – beide von Carl von Gontard (1731-1791) entworfen –  und im Westen von Karl Friedrich Schinkels Konzerthaus dominiert. Der Platz entstand ab 1688 im Zuge der Stadterweiterung durch Kurfürst Friedrich III und wurde von Johann Arnold Nering geplant. Im Zweiten Weltkrieg brannten die drei Bauten nahezu vollständig aus. 1976-1993 wurden die Bauten wiederhergestellt, später der Platz rekonstruiert.


Konzerthaus Berlin
Gendamenmarkt 2, 10117 Berlin
Konzerthaus Berlin

Der Berliner Gendarmenmarkt mit dem Schauspielhaus, links der Deutsche Dom (© Wilfried Dechau, 2021)

Außen Schinkel, innen kalte Pracht

Das Konzerthaus Berlin liegt prominent am Gendarmenmarkt und verfügt über zwei unterschiedlich große Konzertsäle auf unterschiedlichen Ebenen. König Wilhelm III ließ es 1818 bis 1821 nach Plänen Schinkels bauen. Im Zweiten Weltkrieg brannte es aus und wurde 1976 bis 1984 nach Plänen des Teams Ehrhardt Gißke, Klaus Just und Manfred Prasser wiederaufgebaut. Letzterer zeichnet für die Innengestaltung „im Sinne Schinkels“ verantwortlich.
Nach der Wiedervereinigung, wenige Wochen nach dem Fall der Mauer, dirigierte Leonard Bernstein beim „Berlin Celebration Concert“ Beethovens Neunte. Auf der Website des Konzerthauses heißt es: „Es spielen Musiker*innen aus Ost- und West-Berlin sowie den vier Ländern der Siegermächte. Im letzten Satz ändert Bernstein den Text: Statt der ‚Ode an die Freude‘ wird eine ‚Ode an die Freiheit‘ gesungen.“
2014 wurde die Bühne des Großen Saals erneuert, 34 Podest-Ebenen und auf Saalniveau absenkbare Szenenfläche erlauben seitdem flexiblere Saalnutzung.

Kleiner Saal des Konzerthauses am Gendarmenmarkt in Berlin (© Ursula Baus, 2024)

2025 besuchte ich ein Konzert im kleinen Saal. Die biederen Stühle waren bockelhart, der Klang wirkte spröde. Die Atmosphäre erinnerte an Kursaal und Sanatorium.

Im Dachgeschoss des Hauses wurde 2003 der Werner-Otto-Saal eröffnet, Architekt des Saals ist Peter Kulka (1937-2024). „Dank einer sehr großzügigen Spende des Mäzens Werner Otto ist der ehemalige Orchesterprobensaal zu einer flexiblen ‚black box‘ mit Hubpodien umgestaltet worden.“
Davon liegt mir leider kein frei nutzbares Foto vor.

Der Gendarmenmarkt in Berlin, um 1900 (Bild: Wiki gemeinfrei)


Ursula Baus

Herausgeberin Dr. Ursula Baus studierte zunächst Kunstgeschichte und Philosophie in Saarbrücken, dann Architektur in Stuttgart und Paris. War Redakteurin einer Fachzeitschrift für Architektur, gründete mit gleichgesonnenen Kolleg(inn)en 2004 die Partnerschaftsgesellschaft frei04 publizistik. Ist beziehungsweise war diversen Gremien, Stiftungen (Bundesstiftung Baukultur, stellv. Beiratsvorsitzende; Schelling Architekturstiftung, Vorstand), Kuratorien (IBA Basel) tätig. Als Lehrbeauftragte für Architekturtheorie und -kritik auch immer auf der Suche nach jungen Talenten. Ist vor allem an Grenzbereichen interessiert: Architektur, Stadt, Ökonomie, Politik – und Musik.