Wagner mochte das Markgräfliche Opernhaus nicht und wusste in Bayreuth sein eigenes Festspielhaus zu errichten. Das Markgräfliche Opernhaus wurde am 30. Juni 2022 zum Welterbe der UNESCO erhoben – weil der Bau in relativ unbedeutenden städtischen Verhältnissen so gut wie unverändert geblieben ist. Neben Palladios Teatro Olympico in Vicenza ist es das bedeutendste, erhaltene, vor der Französischen Revolution errichtete Theatergebäude.
oben: Die Fassade des Markgräflichen Opernhauses in der Straßenzeile (Bild: wikicommons, Thomas Steinberger)
Markgräfliches Opernhaus, Bayreuth
Opernstraße 14
95444 Bayreuth
https://www.schloesser.bayern.de/deutsch/schloss/objekte/bay_oper.htm
Wilhelmine, Markgräfin in Bayreuth und Schwester Friedrichs des Großen, malte, komponierte, verfasste Bühnenwerke, stand als Schauspielerin auf der Bühne, auch als Regisseurin trat sie in Erscheinung. Mit ihrem Gemahl Markgraf Friedrich verwandelte sie Bayreuth binnen zweier Jahrzehnte zu einer europaweit bekannten Residenz. Zwischen 1744 und 1750 wurde dazu das Opernhaus nach Plänen des französischen Architekten Joseph Saint Pierre (um 1709-1754) gebaut, alle Innenräume gestalteten Giuseppe Galli di Bibiena (1696-1757) und sein Sohn Carlo (1721-1787) – international gefragte Meister ihres Fachs.
Das Opernhaus ist kein Solitär, sondern erscheint an der Straßenzeile eingefügt, in französischem Klassizismus durchaus streng strukturiert. Herausragend ist die Dachkonstruktion des dahinterliegenden Saal- und Bühnenraums: Es handelt sich um ein etwa 25 Meter überspannendes Holzhängewerk aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Bühnen- und Zuschauerraum nehmen jeweils etwa die Hälfte des Ganzen ein.

Quer- und Längsschnitt durch das Markgräfliche Opernhaus, Carl Christian Riedel, 1817 (Abbildung: Schlösserblog Bayern)
Drei Logenetagen verlaufen im Bogen zur Hofloge, das Deckengemälde – vom markräflichen Hofmaler Wilhelm Ernst Wunder (1713-1787) – zeigt den Musen-Apoll, umgeben von Putti. Das lückenlos dekorierte, ornamentierte Interieur in der für Galli Bibienas typischen Glockenform empfängt den Zuschauer mit Wucht, das Auge findet kaum Ruhe. Es ist „schwer dröhnender Barock“, der den Raum in seiner Pracht prägt.
Ganzjährig finden im Opernhaus Konzerte statt, auch während der Festspielzeit auf dem Grünen Hügel. In der Begründung zum UNESCO-Welterbe heißt es: „Heute ist das Markgräfliche Opernhaus die einzige Spielstätte, an der die Kunstgattung ‚Opera seria‘ als Repräsentationsform des politischen Systems des Absolutismus authentisch erlebt werden kann. (…) Das Markgräfliche Opernhaus ist ein außergewöhnliches Beispiel barocker Hoftheater. Als höfisches Opernhaus, das sich nicht innerhalb des Schlosses, sondern als urbane Struktur im öffentlichen Raum befindet, markiert es einen besonderen Punkt in der Opernhausentwicklung und ist damit Vorläufer der großen öffentlichen Opernhäuser des 19. Jahrhunderts.“
Markgräfliches Opernhaus, Bayreuth
Literatur:
Babette Ball-Krückmann: Carlo Galli-Bibiena. Seine Bühnenbilder für das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth. Zwischen Tradition und Lokalsituation. In: Wilhelmine von Bayreuth heute. Das kulturelle Erbe der Markgräfin. Hrsg. von Günter Berger, Bayreuth 2009 (Archiv von Oberfranken), Seite 241–266.
Matthias Staschull, Markgräfliches Opernhaus Bayreuth – Beobachtungen und Analysen zur Konstruktion und Fassung des 18. Jahrhunderts, in: Die Denkmalpflege, 76. Jg. 2018, Heft 1, S. 32– 40.
Matthias Staschull, Markgräfliches Opernhaus Bayreuth – Befunduntersuchung und Restaurierung eines Weltkulturerbes, in: A. Danner / M. Mühlnikel / Th. Rainer (Hrsg.): Vorhang auf! Beiträge zur Wiedereröffnung des Markgräflichen Opernhauses Bayreuth, Bayreuth 2020,
S. 99 –122.
Sebastian Krauss, Simeon Völkel, Christoph Dobner, Alexandra Völkel, Kai Huang (Experimentalphysik V, Universität Bayreuth): Acoustics of Margravial Opera House Bayreuth. DAGA 2019 Rostock (https://pub.dega-akustik.de/DAGA_2019/data/articles/000064.pdf)





