Die Entscheidung, mitten in Dortmund einen neuen Konzertsaal zu realisieren, zog unvorhersehbare Konsequenzen nach sich, zum Beispiel den Abriss eines Kinos. Mehr als zwanzig Jahre Konzertbetrieb bestätigen jedoch, dass der Standort gut gewählt war, denn Dortmunds Zentrum ist aufgewertet und lebendiger geworden – nicht zuletzt dank eines vielfältigen Konzerthausprogramms. Stadträumlich und im Foyer überzeugt die Architektur weniger als in dem allseits bewunderten Saal.


Konzerthaus Dortmund
Brückstraße 19-23, 44135 Dortmund
https://www.konzerthaus-dortmund.de/de

„Die Planungen für den Bau eines neuen Konzerthauses begannen Anfang der 1990er Jahre mit der Gründung der „Kulturstiftung Dortmund“ und des Arbeitskreises „PRO_PHIL“. Als Standort für das neue Bauwerk wurde der des alten Universum-Kinos ausgewählt. Nachdem sich der Umbau des Kinogebäudes zum Konzerthaus als nicht durchführbar erwies, wurde dieses sowie ein angrenzendes Kaufhaus für einen Neubau abgerissen.

Dortmund, Konzerthaus, 21. Oktober 2021 (Foto: Wilfried Dechau)

Für das Projekt beauftragt wurde 1998 das Dortmunder Architekturbüro Schröder Schulte-Ladbeck, das einen durch die Materialien Stahl und Glas geprägten Bau entwarf. Das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes wird durch die Fassadengestaltung aus Ätzglas geprägt, welche zur Brückenstraße schräg gestellt ist. LED-Leuchten, die in verschiedenen, bunten Farben eingestellt werden können, illuminieren diese Ätzglasfassaden.

Der Haupteingang befindet sich auf der Brückenstraße und führt den Besucher in das Stadtfoyer, welches eine Bar, die Garderoben und die Abendkasse beherbergt. Die großformatigen Ölportraits der Komponisten Mahler, Schönberg und Strawinski im Foyer fertigte der Maler Oliver Jordan für das Konzerthaus an. Der freistehende Konzertsaal wurde in den ersten Stock gelegt und bietet Platz für insgesamt etwa 1500 Besucher. Dieser ist im Inneren mit hellen Wänden gestaltet und schließt mit einer dunklen Decke ab, deren Leuchten den Eindruck eines Sternenhimmels erwecken. Der Grundentwurf für die von der Werkstatt Johannes Klais Orgelbau angefertigten Orgel aus Ahornholz stammt ebenfalls von Schröder Schulte-Ladbeck. (Autor*in: Redaktion baukunst-nrw)“

Brückstraße (Bild: Lucas Kaufmann, wiki commons)

Das Konzerthaus wertet ein städtisches Quartier auf, das als Sanierungsgebiet ins Auge stach. Mit seiner technoiden, mit Kunstlicht inszenierten Fassade tritt es nicht im herkömmlichen Sinn als Konzerthaus in Erscheinung, lässt den einen oder anderen durchaus an ein Kauf- oder Verwaltungsgebäude denken. Im Foyer empfängt eine Bar, die auch zu einem Kino oder zu einer Kongressgastronomie passt – nicht zuletzt farbige Lichtinszenierungen bringen einen etwas poppigen Touch in den Raum. Eindrucksvoll sind raumhohe Porträts von Gustav Mahler, Arnold Schönberg und Igor Strawinsky, in Öl gemalt von Oliver Jordan.
Orchestergarderoben befinden sich zwei Etagen unterhalb der Bühnen.

Blick von der Bühne in den Zuhörersaal. (Bild: Ursula Baus)

Umso mehr überrascht der Konzertsaal, dessen Akustik durchweg als sehr gut eingestuft wird. »Neben den Konzertsälen in Boston und Amsterdam gehört das Konzerthaus Dortmund akustisch zu den drei besten Sälen der Welt… Und wunderschön ist es dazu auch noch.« – meint die Geigerin Anne-Sophie Mutter.

Dortmund, Konzerthaus, Blick in den Zuschauersaal, 21. Oktober 2021 (Foto: Wilfried Dechau)

Im Saal – einem klassischen Rechtecksaal mit 55 m Länge, 25 m Breite, 25 m Höhe – stehen 1.500 Plätze zur Verfügung, für Kammermusik-Konzerte kann der Konzertsaal durch einen (akustisch ebenfalls optimierten) Vorhang geteilt und so die Kapazität auf rund 600 Plätze reduziert werden. Mit einer Nachhallzeit von zwei Sekunden eignet sich der Saal bestens für das klassische Repertoire.
Die Orgel verfügt über 3565 Pfeifen – 306 aus Holz und 3259 aus Zinn – und 53 Register.


Konzerthaus Dortmund
Architekten: Schröder Schulte-Ladbeck, Dortmund
Akustik: Graner und Partner
Orgel: Architekten mit Johannes Klais Orgelbau
Bauzeit: 1998-2002
Baukosten: 49 Mio Euro
Ursula Baus

Herausgeberin Dr. Ursula Baus studierte zunächst Kunstgeschichte und Philosophie in Saarbrücken, dann Architektur in Stuttgart und Paris. War Redakteurin einer Fachzeitschrift für Architektur, gründete mit gleichgesonnenen Kolleg(inn)en 2004 die Partnerschaftsgesellschaft frei04 publizistik. Ist beziehungsweise war diversen Gremien, Stiftungen (Bundesstiftung Baukultur, stellv. Beiratsvorsitzende; Schelling Architekturstiftung, Vorstand), Kuratorien (IBA Basel) tätig. Als Lehrbeauftragte für Architekturtheorie und -kritik auch immer auf der Suche nach jungen Talenten. Ist vor allem an Grenzbereichen interessiert: Architektur, Stadt, Ökonomie, Politik – und Musik.