Der ursprüngliche „Conversationssaal“ wurde erst vor einem Vierteljahrhundert nach dem italienischen Komponisten benannt; Gioachino Rossini (1792-1868) weilte 1836 in Bad Kissingen zur Kur und kam zwei Jahrzehnte später noch einmal, um König Max II. von Bayern zu treffen. Mit der Umbenennung nach Gioachino Rossini wird ein Zeichen zur Musikaffinität gesetzt. Neben dem nach dem Architekten benannten Max Littmann Saal nimmt sich der Rossini-Saal beinahe lieblich aus.
Rossini-Saal
Am Kurgarten, 97688 Bad Kissingen
https://www.adwmainz.de/akademie/kalkhof-rose-saal.html

Der zunächst dreiflüge Arkadenbau in Bad Kissingen in der Version Friedrich von Gärtners 1838 (Bild: Wikicommons, Stadtarchiv Bad Kissingen)
Von der Conversation zur Musik
Gebaut wurde dieser Saal als königlicher Conversationssaal, in dem man wetterunabhängig seine Begegnungen pflegen konnte, was zuvörderst den adligen Kurgästen zugute kam. Heute erweist sich der 1834-38 von Friedrich von Gärtner – im Kontext seines Arkadenbaus – entworfene Saal als geeignet für Kammermusik- oder Tagungsveranstaltungen.
Erst im Jahr 2000 wurde der Saal nach einer gründlichen Sanierung in „Rossini-Saal“ umbenannt. Ein solitärer Saal ist dieser Raum für Musik nicht, sondern er ist, typisch für Kuranlagen, Teil eines Arkadenbaus. In dessen Mitte führt der Eingang mit drei Bogentüren zum doppelgeschossigen, heutigen Rossini-Saal, mit dem Ludwig I. seinen Architekten Friedrich von Gärtner beauftragt hatte. Gärtner war 1819 als 28-Jähriger zum Professor der Baukunst an die Münchner Kunstakademie berufen worden und 1827 mit dem Autrag für den Neubau der Bayerischen Staatsbibliothek bekannt geworden.

Arkadenbau (Foto: Wilfried Dechau)
Arkadenbau und Conversations- (=Rossini-Saal) sollten dem beim europäischen Hochadel beliebten Heil- und Weltbad einen angenehmen Aufenthalt bieten, 1838 ist er in Betrieb genommen worden. Friedrich von Gärtner ließ die Seitenwände mit Fresken im byzantischen Stil bemalen, eine Bühne gab es nicht.

Rossini-Saal (Foto: Wilfried Dechau)
Der Kurort besaß einen Kurgarten, der nach Plänen von Balthasar Neumann – unter anderem Erbauer der Würzburger Residenz – angelegt worden war, von dem aber nichts erhalten blieb. Schon damals erwiesen sich Bauschäden – wie der von der Decke herabfallende Putz – als Ärgernis, was aber dem Kurbetriebszuwachs keine Schwächung bescherte. Im Gegenteil: Laut Wikipedia kamen 1832 etwa 1000 Kurgäste, waren es 1842 bereits 4400.

Rossini-Saal, Blick unter die Decke (Foto: Wilfried Dechau)
Heute ist die Rede von 250.000 „Übernachtungsgästen“ jährlich in Bad Kissingen. Allerdings sind Gäste im 19. Jahrhundert nicht wenige Tage, sondern monatelang Gäste im Kurbad gewesen. So war es auch mit Gioachino Rossini (1792-1868), der erstmals 1836 zur Kur in Bad Kissingen war und dort später auch Kontakt zu Maximilian dem II von Bayern aufnahm.

Elegant und funktionell: Der „Bad Kissinger Stuhl“ nach einem Entwurf von Grellmann Architekten (Foto: Ursula Baus)
Die Architektur
Die gesamte, komplexe Gebäudeanlage wurde 1998 bis 2004 umfänglich saniert, um einer ökonomisch tragbaren Nutzungsvielfalt der Gegenwart zu genügen. Der Rossini-Saal ist mit 390 Quadratmetern, auf denen je nach Anlass 150 bis 330 BesucherInnen Platz finden, nun eher ein Kammermusiksaal. Er ragt, 30 Meter lang und 20 Meter breit, mit seitlichen Rundbögen zu einer Kassettendecke 8,50 Meter hoch. In seiner Grundrissproportion eignet sich der Saal für unterschiedliche Bestuhlungen, wobei eine modische oder auch eine Standard-„Möblierung“ die Atmosphäre eines solchen Saals durchaus beeinträchtigen kann. Die Sanierung anfang der 2000er Jahre übernahm das Architekturbüro Grellmann, von dem auch der Entwurf für den „Bad Kissinger Stuhl“ stammt: ein klapp- und stapelbarer Stuhl, der in der Schweiz hergestellt wurde und außergewöhnlich gut ins Interieur passt.

Im Rossini-Saal: Lena Neudauer, Violine, Marianna Shirinyan, Klavier, Sebastian Klinger, Cello (Foto: Wilfried Dechau)

Nach dem Konzert, im Rossini-Saal: Lena Neudauer, Violine, Marianna Shirinyan, Klavier, Sebastian Klinger, Cello (Foto: Wilfried Dechau)
2026, als wir beim Musikfestival „Kissinger Sommer“ vor Ort sind, hörten wir hier das „Projekttrio“ aus den Solisten Lena Neudauer (Violine), Sebastian Klinger (Violoncello) und Marianna Shirinyan (Klavier) mit Schostakowitschs Klaviertrio Nr. 1 c-Moll, Mieczslaw Weinbergs Klaviertrio a-Moll und Schuberts Klaviertrio Nr. 1 B-Dur. Dem Projekttrio fehlt jegliche Gefahr der Routine, einzigartig und mitreißend ist vielmehr das Maß an gegenseitiger Aufmerksamkeit zugunsten des Trioklangs.
Rossini-Saal
Architekten der Sanierung 1998-2003: Grellmann Architekten, Würzburg
Literatur
Sigismund von Dobschütz: Stadtgeschichtliche Information. Der Arkadenbau Bad Kissingen. 2. Auflage. Bad Kissingen 2021 (verfügbar als PDF)
Ewald Wegner: Friedrich von Gärtner und das Bad Kissingen. (= Mainfränkische Studien. Band 25). Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte, Würzburg 1981




