Das »Haus des Gastes« in Bad Bergzabern spielt als multifunktionale Veranstaltungsstätte seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle im kulturellen Leben der einerseits nah an Frankreich, andererseits südwestlich von Landau gelegenen Region. Der Raum dient für Konzerte, Theateraufführungen, Ausstellungen, Vorträge und Feste. 2025 mußte der 1984 fertiggestellte Bau grundlegend saniert werden. Die viel größere Sanierungsaufgabe lauert aber unübersehbar im Herzen von Bad Bergzabern. Viele blinde Schaufenster weisen auf das riesige Problem, dass immer mehr Verbraucher nur noch in einen Laden gehen, um sich die Geräte anzuschauen, die sie dann nicht in dem Laden, sondern im Internet kaufen und nach Hause bringen lassen.
Haus des Gastes
Rötzweg 9, 76887 Bad Bergzabern
https://badbergzabernerland.suedlicheweinstrasse.de/region/kurstadt-bad-bergzabern/haus-des-gastes

Auf dieses Bild stößt man, wenn man auf der Website der Villa Musica nach Konzerten in Bad Bergzabern sucht
Schubertiade im »Haus des Gastes«
31. Januar 2026 Das Bild, mit dem der Saal im Mehrzweckgebäude »Haus des Gastes« auf dem Handy angezeigt wird, kann erschrecken lassen. Es weckt Befürchtungen, Konzerte – zum Beispiel das Konzert mit Jens-Peter Maintz (Cello) und seinen Stipendiaten – werde mit Lichtorgel in allen Regenbogenfarben begleitet.

Bad Bergzabern, Der Saal im »Haus des Gastes«, vor dem Beginn des Konzertes noch viel zu grell beleuchtet (Foto: Wilfried Dechau)

Gerade verklingt Schuberts zauberhaftes Streichquintett C-Dur, D 956. Von links: Mascha Wehrmeyer, Violine, Johannes Brzoska, Violine, Eike Coetzee, Viola, Cosima Federle, Cello, Jens-Peter Maintz, Cello (Foto: Wilfried Dechau)
Das war zum Glück nicht der Fall. Zu hören war Schuberts grandioses Streichquintett, das »Arpeggione« und weitere, zauberhafte Schubert-Stücke im fast voll besetzten Saal bei gedimmter Beleuchtung genießen.
What a relief! Insbesondere nach dem deprimierenden Spaziergang vom Bahnhof durch die fast menschenleere Stadt zum »Haus des Gastes« – vorbei an lauter blinden Schaufenstern. In der »Marktstraße«, dem Herzen der Stadt, sind insgesamt 18 geschlossene Läden zu beklagen.
Die Stadt hat offenbar ihre Blütezeit gehabt, als das Haus des Gastes 1984 gebaut wurde. Wer das Haus des Gastes gebaut hat, ließ sich bis jetzt leider nicht herausfinden. Weder der Beigeordnete für Soziales … und Kultur noch der Beigeordnete für Bau und Planung konnten die Frage beantworten.

Bad Bergzabern, »Haus des Gastes« Grundriss – aus dem mit zahlreichen Pfeilen und Hinweisen versehenen, im Foyer aushängenden, bunten Fluchtwegeplan herausgefiltert (Foto und Bearbeitung: Wilfried Dechau)
Der Saal im Haus des Gastes ist nicht explizit für die Musik konzipiert worden. Er soll ebenso für Hochzeiten, Vorträge, Konferenzen und Tagungen taugen. So ein »Wechselbalg« kann also die jeweils an ihn gestellten Erwartungen nie hundertprozentig erfüllen.

Jens Peter Maintz, Cello, spielt mit Yanjun Chen, Klavier, die »Arpeggione-Sonate« von Franz Schubert (Foto: Wilfried Dechau)
Aber für Kammermusik taugt dieser Saal überraschend gut. Die Akustik stimmt – sowohl für die Zuhörer als auch, anders herum, für die Musiker. Danach befragt, wie dieser Raum auf ihn beim Spiel gewirkt habe, bekundete Jens-Peter Maintz, die Atmosphäre habe er zunächst als recht spröde empfunden. Und das habe natürlich Auswirkungen auf die Motivation. Die wirklich überzeugende Akustik im Raum trug dann aber doch das ihre dazu bei, dass die Musiker sich begeistert und begeisternd ins Zeug legten.
Wenn man sich in dem auf Anhieb erstmal zu hell beleuchtet glitzernden Raum etwas umsieht, entdeckt man, was für die gute Akustik sorgt: Die umgebenden Wände sind aus Holz, aufgesetzte Leisten sorgen für differenzierte Reflexion des Schalls. Und schaut man die während des Konzertes wohltuend stark gedimmte Deckenbeleuchtung an, sieht man, dass es sich nicht um eine glatte Fläche handelt, sondern um die Addition zahlreicher negativer Pyramiden, die nicht nur das Licht, sondern auch den Schall reflektieren und verteilen.






