Der britische Architekt Sir James Stirling (1926-1992) bescherte der Stadt Stuttgart das weltweit bekannte, postmoderne Ensemble aus Staatsgalerie und Musikhochschule. In mehreren Bauabschnitten errichtet, wurde die Musikhochschule im 2. Bauabschnitt vom Nachfolgebüro Wilford Schupp fertiggestellt. Mit einem großen und kleinen Konzertsaal ist die Hochschule im Musikleben der durchkommerzialisierten Innenstadt eine große Bereicherung.
Konzertsäle der HDMK Stuttgart
Urbanstraße 25, 70182 Stuttgart
https://www.hmdk-stuttgart.de/konzertsaal
1857 wurde diese älteste Musikhochschule Baden-Württembergs gegründet, genauer: das „Konservatorium für Musik“, das ab 1869 „Königliches Konservatorium für Musik“ hieß und ab 1921, dem Ende des Königreichs, „Württembergische Hochschule für Musik“. Es wurden bis dahin BerufsmusikerInnen und Dilettanten ausgebildet, jetzt aber ging es nur noch um die professionelle Hochschule.
Unterrichtet wurde in der Villa Schönlein am Stuttgarter Urbansplatz, die im Zweiten Weltkrieg stark zerstört wurde. Provisorisch in Trossingen untergebracht, kehrte die Hochschule 1955 in einen Neubau, ebenfalls am Urbanplatz, zurück. Bald war hier zu wenig Platz, so dass im neuen Konzept der „Kulturmeile“ entlang der B14 nicht nur die Neue Staatsgalerie, sondern auch die neue Musikhochschule geplant waren. Weil auch Schauspieler hier ausgebildet werden, überließ man der Hochschule 1987 das restaurierte 1837-40 gebaute Wilhelma-Theater.
Im großen Konzertsaal an der Urbanstraße springt die Orgel ins Auge. Dazu heißt es auf der Website: „Der traditionell sehr starke Bereich der Kirchenmusik wurde unter dem Direktor Prof. Dr. Hermann Keller (1946-1952) weiter ausgebaut; mit insgesamt 11 Orgeln zählt die Hochschule heute zu den für die Kirchenmusik und das konzertante Orgelspiel am besten ausgestatteten Musikhochschulen in Deutschland. Aus der Stuttgarter Hochschule sind zahlreiche namhafte Komponisten hervorgegangen, von denen Prof. Helmut Lachenmann aus der jüngsten Vergangenheit der bekannteste ist. Ein hervorragend ausgebautes Elektronisches Studio bietet seit 1989 die Möglichkeit, auch experimentelle Musik außerhalb traditioneller Musikinstrumente zu erarbeiten und pädagogisch-didaktisch zu vermitteln.“

Der Turm überragt im Stadtbild die anderen Baukörper der Musikhochschule und lenkt die Aufmerksamkeit auf den zentralen Konzertsaal. (Bild: Wilfried Dechau)
Auf der Website erläutert die Hochschule: „Was hat Pompeji mit Stuttgart zu tun? Jedes Gebäude, jeder Raum spricht eine eigene Sprache. Immer wieder fragt sicher der Architekt, wie er Bedeutung und Atmosphäre eines Raumes mit Hilfe von individuell komponierten Farben beeinflussen kann. Ein Konzertsaal in Deutschland in Schwarz, Rot und Gold war von dem britischen Architekten Sir James Frazer Stirling nicht etwa als Witz gedacht. Tatsächlich hatte Stirling einen anderen Kontext im Sinn, er sprach von der pompejischen Farbkarte. Fröhlichkeit und Festlichkeit sollten über diese Farbstimmung den Konzertsaal, der 418 Besucherinnen und Besuchern Platz bietet, charakterisieren. Während alle Unterrichtsräume und die Überräume in Schwarz und Weiß gehalten waren, sollte dieser besondere Raum im zentralen architektonischen Element des Gebäudes, dem Sockel des Turms, eine besondere Farbfassung erhalten. Diese sah Stirling am deutlichsten in den Farbkonzepten der antiken Stadt Pompeji realisiert.“
Der große Konzertsaal verfügt über 418 Sitzplätze, der Kammermusiksaal über 180. Die Schule hat zudem eine Mensa, Bibliothek, Übungs- und Unterrichtsräume, Tonstudios, Aufnahmestudios und Verwaltungsräume. Zwei Steinway-Konzertflügel stehen zur Verfügung.
Im Frühjahr 2026 spielte hier das Atos Trio, eingeladen von der Mozart Gesellschaft Stuttgart. Auf dem Programm standen Mozart Trios in E-Dur KV 542 und G-Dur KV 564, darüber hinaus »Soir & Matin« der Französin Mel Bonis und das c-Moll Trio op. 66 von Felix Mendelssohn.
Die Mozart Gesellschaft Mozart-Gesellschaft Stuttgart gehört zu den ältesten derartigen Vereinigungen in Deutschland und ist seit 1888 Mitglied der Internationalen Stiftung Mozarteum Salzburg sowie Gründungsmitglied der Deutschen Mozart-Gesellschaft Augsburg. In Stuttgart war 1790 am herzoglichen Hoftheater Mozarts Figaro aufgeführt worden, das Ereignis steht am Beginn der hiesigen Mozart-Tradition, wobei Mozart selbst nie in Stuttgart war.





