Der „Mandelring 69“ in Neustadt ist ein Ort musikalisch hochrangiger Kammerkonzerte, aber nicht nur das: Die hier ansässige Familie Schmidt prägt eindrucksvoll vor allem das kammermusikalische Weltniveau der Stadt. Hier wuchsen drei der vier Mitglieder des Mandelring Quartetts auf – Sebastian, Nanette und Bernhard Schmidt; Andreas Willwohl (Bratsche) ergänzt sie zum Quartett. Mit der Hausmusik in Kelter und Keller des Anwesens werden junge Talente gefördert, aber auch erfahrene Virtuosen zu Experimenten ermuntert.


Kelter und Kellergewölbe
Mandelring 69, 67133 Neustadt
https://hambachermusikfest.de/

Neustadt, Mandelring 69, Das Mandelringquartett im Gewölbekeller, Sebastian und Nanette Schmidt, Andreas Willwohl und Bernhard Schmidt, 28. Oktober 2021 (Foto: Wilfried Dechau)

Hier im Mandelring wird das jährlich in der Fronleichnamswoche stattfindende Hambacher Musikfest konzipiert und organisiert, hier entsteht das Programm der Klassik-Reihe im Neustadter Saalbau, die mit vier Streichquartett-Konzerten des Mandelring Quartetts in den Wintermonaten die Musikkultur der Stadt bereichert – übrigens gastiert das Mandelring Quartett mit demselben Programm im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie.
Das Gebäudensemble war ursprünglich ein Weingut, das von der Familie Schmidt für die musikalische Ausrichtung der Familie umgebaut wurde.

Neustadt, Mandelring 69, Konzert in der Kelter, 11. Januar 2025

Sowohl in der Kelter als auch im Gewölbekeller des Anwesens finden Konzerte statt, um nicht zuletzt den musikalischen Nachwuchs mit Auftritten in kleinem, familiären Rahmen an Publikum und Öffentlichkeit zu gewöhnen.

Mandelring 69, Konzert in der Kelter, 11. Januar 2025, Miriam Friend, Myriam Geßendorfer, Judith Keresztessy, Andreas Willwohl und Bernhard Schmidt spielen das Streichquintett g-Moll, KV 516 von W.A. Mozart (Foto: Wilfried Dechau)

Nun sind die Hauskonzerte nicht allein der Nachwuchsförderung gewidmet. Vielmehr ist wahrzunehmen, dass Musik zum nachhaltigen Kulturleben einer Stadt gehört, das über Eventattraktionen hinausgeht. Miterleben zu können, dass in der Nachbarschaft musiziert wird, dass aus der Bewohnerschaft heraus MusikerInnen von Weltrang erwachsen sind – das zeichnet einen Ort aus, der sich als „Musikstadt“ gefinieren kann.

Am 21. März 2026 spielte beispielsweise Sebastian Schmidt – Primarius des Mandelring Quartetts und gegenwärtig auch 1. Konzertmeister des Kammerorchesters Mannheim – mit dem Gitarristen Volker Höh als „Remake“ ein Programm, das mit einem Werk von Mauro Giuliano (1781 bis 1829) die musikgeschichtliche Entwicklung der Gitarre zum „Podium“ in der Kammermusik aufgriff: „Selten werde das Werk aufgeführt, weil einfach zu schwer“, wurde der Gittarist zitiert.

Für das bereits 268. Mandelring-Konzert am 16. Mai 2026 um 19 Uhr wurde das Klavierduo Anna Anstett und Sandra Urba gewonnen, auf dem Programm „Von Wien nach Bayreuth“: Mozart, Schubert, Wagner und Liszt.

Wer über die Konzerte informiert werden möchte, wende sich an Jörg S. Schmidt, schmidt.mandelring@gmx.de.

Ende April 2026 musizierte bereits ein Klavierduo im Mandelring 69: Das „Onyx-Duo“ aus Würzburg, Marie-Thérèse und Jonas Gleim, spielte Brahms, Debussy, Ravel und Reynaldo Hahn (1874-1947). Man muss beim Vierhändigspielen auf einer Spielfläche von 1.24 m Breite auf 88 Tasten agieren. (Foto: Wilfried Dechau)

Ursula Baus

Herausgeberin Dr. Ursula Baus studierte zunächst Kunstgeschichte und Philosophie in Saarbrücken, dann Architektur in Stuttgart und Paris. War Redakteurin einer Fachzeitschrift für Architektur, gründete mit gleichgesonnenen Kolleg(inn)en 2004 die Partnerschaftsgesellschaft frei04 publizistik. Ist beziehungsweise war diversen Gremien, Stiftungen (Bundesstiftung Baukultur, stellv. Beiratsvorsitzende; Schelling Architekturstiftung, Vorstand), Kuratorien (IBA Basel) tätig. Als Lehrbeauftragte für Architekturtheorie und -kritik auch immer auf der Suche nach jungen Talenten. Ist vor allem an Grenzbereichen interessiert: Architektur, Stadt, Ökonomie, Politik – und Musik.