Die ursprünglich barocke Schlosskapelle am nördlichen Ehrenhofflügel wurde 1804 von Friedrich Weinbrenner für das Feiern evangelischer Gottesdienste umgestaltet. Er gab der Kapelle ein neues klassizistisch kühles Gesicht.
Die meisten Konzerte des Schwetzinger Mozartfestes, das seit 1975 immer im September/Oktober gefeiert wird, fanden 2026 im Jagdsaal statt, weitere im Palais Hirsch, in der Ev. Stadtkirche, in der Lore-Eichhorn-Halle und in der Schlosskapelle. Hier spielte am 4. Oktober 2026 das ungewöhnlich zusammengesetzte Duo StringBreeze auf der Violine und dem Akkordeon.
Schloss Schwetzingen, Schlosskapelle
68723 Schwetzingen
Schwetzinger Mozartfest
Schwetzinger SWR Festspiele
Winter in Schwetzingen

Schloss Schwetzingen mit zentralem Zugang zum Schlossgarten. Hinter den beiden (und weiteren drei) Fensterachsen ganz rechts verbirgt sich die Schlosskapelle (Foto: Wilfried Dechau)
Kurfürstlich
Die Schlosskapelle Schwetzingen ist ursprünglich beim Bau des nördlichen Ehrenhofflügels (1710-14) unter dem damaligen Kurfürsten Johann Wilhelm eingerichtet worden. Die Kapelle fügte sich in die gleichmäßige, symmetrische Fensterfront des barocken Nordflügels ein. Der Innenraum war mutmaßlich in barocker Formensprache gehalten – mit für die Zeit typischen Stuckverzierungen. Die Kapelle diente dem katholischen Gottesdienst, denn die Pfälzer Kurfürsten waren katholisch. An der Nordseite befand sich ein barocker Altar, an der Rückseite – ebenso wie heute – die Kurfürstenloge.
Seit 1803 regierte in der Kurpfalz das protestantische Haus Baden. Also musste die Kapelle für den evangelischen Gottesdienst umgerüstet werden. Diese Aufgabe übernahm Friedrich Weinbrenner – man könnte sagen: ziemlich brachial. Die Position des Altars und die Kurfürstenloge auf der Rückseite blieben erhalten, aber ansonsten wurde alles »modernisiert«. Der Innenraum wurde klassizistisch überformt.
Am deutlichsten sind Weinbrenners Eingriffe an der Decke sichtbar. Er machte daraus eine tonnenförmige Kassettendecke, allerdings nicht mit echten Kassetten sondern in Trompe-l’œil-Manier.

Schlosskapelle, Blick von der Kurfürstenloge zum Altar und der Ubhauser-Orgel (Foto: Wilfried Dechau)
Klassizistisch kühl
Über dem Altar befindet sich seither eine zentrale Kanzel, darüber wurde 1806 in einer Emporennische die Orgel des Orgelbauers Andreas Ubhauser, Heidelberg, eingebaut. Sie ist noch fast vollständig original erhalten. Die letzte umfassende Restaurierung fand 1980-82 statt.
Decke und Wände sind glatt. Insgesamt hat der Raum dadurch eine etwas kühle und spröde Ausstrahlung. Die Glätte wirkt sich auf die Akustik aus. Das wird zum Glück ein wenig kompensiert, wenn der Raum voll besetzt ist.

Schlosskapelle, Deckenuntersicht. Es sieht nur so aus wie eine Kassettendecke. Die Kassetten sind gemalt (Foto: Wilfried Dechau)
In der Schlosskapelle finden keine offiziellen Gottesdienste mehr statt. Der Altar kann nach Bedarf entfernt werden. Die Kapelle wird vor allem für Hochzeiten als beliebte Event-Location vermarktet. Aber nicht nur Hochzeiten werden dort gefeiert, sondern auch Konzerte des Schwetzinger Mozartfestes. Am 27. September 2026 spielte das Trio Semmler, von Rahden & Emanuilova, am 4. Oktober 2026 das Duo StringBreeze.

Schlosskapelle Schwetzingen, 4. Oktober 2026, das Konzert mit dem Duo StringBreeze ist ausverkauft. (Foto: Wilfried Dechau)
Ungewöhnliche Kombination
4. Oktober 2026 Beim Schwetzinger Mozartfest steht der »Tanz durch die Epochen« auf dem Programm. Das Duo StringBreeze ist – mit Akkordeon und Violine – ungewöhnlich zusammengesetzt, so eine Kombination ist eher selten anzutreffen. Und wenn, dann wird Musette gespielt oder Tangos von Astor-Piazzolla. Das Duo StringBreeze zeigte am Schluss des Konzertes, dass es sich auch für Astor Piazzolla erwärmen kann, aber im im Wesentlichen spielten sie Stücke von Bach, Mozart, Manuel de Falla und Bartok.
Akkordeon und Violine? Auf den ersten Blick will es nicht zueinander passen. So unterschiedlich ist der Vorgang der Klangerzeugung. Beim Akkordeon wird der Ton durch Drücken und Ziehen des Balgs erzeugt, der den Luftstrom über frei schwingende Metallzungen treibt. So lässt sich jeder Ton je nach Zug oder Druck des Balgs von pianissimo bis fortissimo, von leise flüsternd bis durchdringend lautstark variieren. Der Klang ist sehr obertonreich, denn – ähnlich wie bei einer Orgel – können durch sogenannte Chöre mehrere Metallzungen gleichzeitig zum Klingen gebracht werden. Akkordeons können je nach Bauart und Register dunkel und weich oder auch hell und laut klingen. Markos Instrument klang sehr warm und obertonreich.
Ganz anders die Violine. Obwohl sie so zart und zerbrechlich wirkt, kann sie in der Lautstärke mit dem Akkordeon allemal mithalten. Aber Lautstärke ist ja nicht alles. Die Töne entstehen anders, durch Anstreichen der Saiten mit dem Bogen – und die Variationsbreite ist groß, je nachdem, ob die Saiten nah am Steg oder über dem Griffbrett, ob der Bogen mit geringem oder starkem Druck angesetzt wird, ob die hohen E- und A-Saiten oder die dunkleren G- und D-Saiten angespielt werden.

Elisso Gogibedaschwili, Violine, Duo StringBreeze, beim Proben vor dem Konzert (Foto: Wilfried Dechau)
Brillant gespielt
Schon die ersten Töne von Bachs Violinsonate in h-Moll, die für Violine mit Akkordeon (statt Violine und Cembalo) bearbeitet wurde, machen deutlich, dass meine anfängliche Skepsis völlig unbegründet war. Oder liegt es einfach daran, dass die beiden das Zusammenspiel so brillant hinbekommen? Keines der beiden Instrumente ist jemals dominant im Vordergrund.
Und nachdem mir die Sonate so präsentiert wurde, habe ich den Eindruck, das Akkordeon komme diesem Werk Johann Sebastian Bachs näher als das Cembalo. Und das auch und gerade vor dem Hintergrund, dass es sich bei dieser Sonate um die erste in der Musikgeschichte handelt, bei der das Tasteninstrument (also im Ursprung das Cembalo) nicht nur als »akkordische Begleitung im Basso continuo agiert, sondern der Violine als gleichberechtigter Partner zur Seite gestellt wird.« (Programmheft des Schwetzinger Mozartfestes)
Mit diesem Stück als Einstieg haben die beiden die »Latte ziemlich hoch gehängt« und nicht gerissen. Ganz im Gegenteil. Was dann folgte, war tatsächlich ein »Tanz durch die Epochen« bis hin zu Bela Bartok und schließlich Astor Piazzolla.
Ein ungewöhnliches und zugleich ungewöhnlich nahegehendes Konzert. Perfekt.
Morgen, am Samstag, 10. Oktober geht es – im Jagdsaal – weiter mit dem Quatuor Ardeo und am Sonntag, 11. Oktober mit einem Klavierrecital von Florian Hölscher.








