Stiftskirche Neustadt, Fotomontage für einen wieder zusammengeführten Kirchenraum. (Wilfried Dechau)
Zentral am Marktplatz gelegen, gehört die Stiftskirche Stankt Ägigius zu den etablierten Konzertorten der Stadt. Die zahlreichen Orchester und Chöre der musikbegeisterten Stadt finden hier einen Ort, um festtäglichen Passionen, neuer Orchester- und Chormusik und natürlich Orgelkonzerten einen angemessenen Rahmen zu bieten.
Stiftskirche Neustadt
Marktplatz, 67433 Neustadt an der Weinstraße
https://www.stiftskirche-neustadt.de
Simon Reichert, preisgekrönter Organist, ist seit 2009 Bezirkskantor in Neustadt, zudem Dirigent der Stiftskantorei und Organisator des „Neustadter Orgelsommers“, einer Konzertreihe mit Internationalen Spitzenorganisten, und des „Neustadter Herbst – Festival Alte Musik an der Weinstraße“. Um Musik in der Stadt präsent zu halten, gibt es in der Stiftskirche auch die „Marktkonzerte“, jeweils samstags um 11:30 Uhr.
Die ehemalige Stiftskirche Liebfrauen war bereits 1230 im Bau. 1394 wird ein Bauabschnitt geweiht, Langhaus und Westteile stammen aus dem 15. Jahrhundert. 1566 zogen die Reformierten ein, die sich seit 1708 den Bau mit der katholischen Gemeinde teilten. Seitdem trennt eine Quermauer den katholischen Chor vom evangelischen Langhaus. Die Photomontage oben zeigt einen Eindruck vom Raum, falls die Querwand weggenommen würde.(1)

Derzeit prägt die Querwand mit dem Glasmosaik von August Babberger den Raumeindruck der Stiftskirche, die für herausragende Konzerte genutzt wird. (Bild: Wilfried Dechau)
Auf der Querwand wurde bei der vorletzten großen Kirchenrenovierung ein Glasmosaik mit Auferstehungsmotiv aufgebracht, entworfen vom Spätexpressionisten August Babberger, ausgeführt von der Firma Pfuhl und Wagner, Berlin. Das Mosaik ist Teil der Gesamtkomposition des Chorraums zusammen mit zwei Glasfenstern auf der Nord- und Südseite, die ebenfalls von August Babberger gestaltet wurden.
Eine solch materielle, für den Kirchenraum fragwürdige Trennung ist nicht mehr zeitgemäß. Gleichwohl bezeugt sie eine historische Faktenlage und ist damit materielles Zeugnis derselben. Die Vergegenwärtigung glaubensorientierter, vergangener Entscheidungen muss jeweils aus kritischer Gegenwart geklärt werden – eine Entscheidung, die auf komplexen, niemals eindeutigen Voraussetzungen getroffen werden muss.

Koos van de Linde erklärt und vergleicht anschaulich. Im Hintergrund die aktuelle Querwand zum Chorbereich des katholischen Kirchenteils. (Bild: Wilfried Dechau)
Die Edskes-Orgel

Im November 2025 stellt der international gefragte Orgelbauer Koos van de Linde die Orgel der Stiftskirche vor. (Bild: Wilfried Dechau)
Die 2016 von von Bernhardt H. Edskes Orgelbau (Schweiz) im protestantischen Teil fertig gestellte Chororgel orientiert sich kompromisslos an der Bauweise früherer Zeiten, wie sie zu finden ist bei den großen Meistern Arp Schnitger in Hamburg oder Gottfried Silbermann in Sachsen. Sie ist besonders für Alte Musik (Gotik, Renaissance, Barock) und das Zusammenspiel mit historischen Instrumenten ausgelegt. (2) Geplant ist, langfristig eine neue Orgel einzubauen, die sich auch für moderne Orgelkompositionen eignet.
An Ort und Stelle, mit Einblicken in die „Eingeweide“ der Orgel und ergänzt mit Bildern anderer Orgeln, begreifen auch Kinder viel mehr als mit Informationen aus dem Netz. Sie müssen noch an die Musik und besondere Instrumente herangeführt werden, um die körperliche Erfahrung des Hörens zu erfahren, besser: spielerisch zu hören und spüren.
(1) Zur Baugeschichte: https://www.stiftskirche-neustadt.de/stiftskirche/historie/
(2) Festschrift „Die Neue Orgel“. Neustadt 2016), in der Stiftskirche erhältlich.
Online-Informationen zur Orgel: https://evpfalz.de/gemeinden_t3v76/index.php?id=964




