Die 1909 bezogene Pädagogische Hochschlule in der Keplerstraße, Ecke Blumenstraße.
(Bild: https://www.ph-heidelberg.de/hochschule/ueber-uns/unsere-geschichte.html)

Die heutige Pädagogische Hochschule begann offiziell 1928 als „Lehrerbildungsanstalt“. Bereits 1909 war für die Ausbildung von Lehrern ein Neubau in der Keplerstraße errichtet worden, der heute der „Altbau“ ist. Die im Grundsatz symmetrische Hauptfassade ist in Erd- und erstem Obergschoss asymmetrisch strukturiert. In ihrer Ecksposition mit unterschiedlichen Baukörperlängen wird die Ecksymmetrie mit einem Eckturm betont, mit dem der Neorennaissance-Bau stark in den öffentlichen Raum hineinwirkt.

 


Alte Pädagogische Hochschule. Heidelberg
Keplerstraße 87, 69121 Heidelberg
https://www.heidelberger-fruehling.de/spielstaetten/alte-paedagogische-hochschule-heidelberg

Schuberts hinreißendes Quartett »Der Tod und das Mädchen« hörte ich zum ersten Mal etwa 1990, im Mozart-Saal der Stuttgarter Liederhalle, vorgetragen vom Melos-Quartett, das gerade sein 25. Jubiläum feierte. Das war Kammermusik in höchster Vollendung. Es stellte sich die Frage, was denn die Quartettentwicklung künftig an Begeisterung gelingen könnte. Doch die Angst um die Zukunft der Kammermusik war völlig unbegründet. Es gibt mindestens ein Dutzend junger Quartette, die ihr Publikum begeistern und mitreißen können. Gleich drei Quartette dieser Klasse waren am 23. Januar 2026 in der Alten Pädagogischen Hochschule in Heidelberg zu hören, wo das Streichquartettfest im Rahmen des seit 1997 stattfindenden Heidelberger Frühlings stattfand: das Javus Quartett, das Kleio Quartet und das Schumann Quartett.

Alte Pädagogische Hochschule. Blick vom erhöhten Podium in den Raum

Um den ganzen Raum auf mich wirken zu lassen, setzt man sich normalerweise in eine hintere Reihe. Dort hat man hier die elliptisch geformte Holzdecke vor und über sich. Und wird gefangen vom Eindruck, dass der ganze Raum mitschwingt.

Das Javus Quartett begeisterte mit Mozarts Streichquartett Nr. 19 C-Dur, KV 465, dem »Dissonanzenquartett«

Die Musik kommt nicht einfach »von vorn«, vielmehr fühlt man sich eingehüllt von Klängen. Es liegt nahe, dieses Rundum-Klangerlebnis der Holzdecke zuzuschreiben, die – als riesiger Resonanzboden – gleichsam als fünftes Instrument mitspielt.

Die vorzügliche Akustik kam natürlich auch dem Schumann Quartett zugute, das nicht mit dem Namensgeber sondern mit Henriette Bosmans brillierte

Das Schumann-Quartett und abschließend das Kleio Quartet spielten ebenso hervorragend wie das Javus Quartett. Damit bestätigte sich Prof. Claus Meissners Diktum: »Es gibt keine schlechten Quartette!«

Das Kleio Quartet spielte Beethovens Streichquartett Nr. 11 f-Moll op. 95 »Quartetto serioso«. Jaume Angelès Fité spielte (in Vertretung für Yume Fujise) die Viola

Aber es gibt Unterschiede in der Inszenierung. Sind denn inzwischen die Licht-Spielereien unvermeidbar geworden? Müssen wir uns daran gewöhnen, dass die ganze Szenerie blau-violett oder gar noch bunter untermalt wird? Nun, wenigstens auf der Bühne blieb es zurückhaltend, als ruhige Einfärbung des Hintergrunds. Sie wirkt ja – eingestimmt durch die Farborgie im Eingangsbereich zur Alten Pädagogischen Hochschule – schon fast neutral. 

Farb-Inszenierung im Eingang der altehrwürdigen, 1907 im Stil der deutschen Renaissance erbauten Pädagogischen Hochschule,

 

… die außen vollständig in blaues Licht getaucht war.

Von den Lichtorgien noch einmal zurück zu den Klang-Genüssen im Inneren: Ich konnte nach dem Konzert mit Marie-Therese Schwöllinger, der ersten Geige des Javus Quartetts, darüber sprechen, wie sie denn das Spiel in diesem Raum wahrgenommen habe. Ganz spontan kam ihr sofort ein Lob ans disziplinierte und interessierte Publikum in den Sinn. Man habe kein Mucksen, kein Rascheln, kein Husten wahrgenommen. Und das helfe natürlich dabei sich auf die Musik zu konzentrieren. Von kräftigem Baumwuchs umgeben, lässt sich die Baukörperkonstellation nicht mehr wie hier im Bild nachvollziehen.

Blau hin, lila her – das Streichquartettfestival beziehungsweise die Musiker und Musikerinnen „übertönen“ die unnötigen Lichtinszenierung aufs Schönste.

Wilfried Dechau

Lübecker. Studierte Architektur an der TU Braunschweig, war bis 2004 Chefredakteur der db. Initiierte 1994 den Europäischen Architekturfotografie-Preis, ist seit 1999 Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie. Hatte bis 2014 die Fotogalerie f75. Verfasste rund ein Dutzend Bücher zu Architektur und Fotografie; zahlreiche Ausstellungen und Preise. Schwerpunkte seiner Fotografie sind Architektur und Porträt. Lebt in Neustadt an der Weinstraße.