In den achtziger und neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts war es der Gesellschaft für Neue Musik möglich, mit staatlicher Unterstützung aus Toto- und Lottomitteln Kompositionsaufträge zu erteilen. Unter den zahlreichen Aufträgen, die während dieser Zeit vergeben wurden, sind zwei besonders hervorzuheben: Alfred Schnittkes Streichquartett Nr. 3 und Isang Yuns Streichquintett „Tapis pur Cordes“.
Im Frühjahr 1983 ist es mit der Hilfe der Universal Edition Wien gelungen, mit dem damals in Moskau lebenden russischen Komponisten Alfred Schnittke (1934-1998) Kontakt aufzunehmen und ihm den Kompositionsauftrag für ein Streichquartett zu erteilen. Das Streichquartett, das die Nr. 3 trägt, zählt heute zu den bedeutendsten und meist gespielten Kammermusikwerken Schnittkes. Es ist der polystilistischen Kompositionsphase des Komponisten verpflichtet. Bei dieser Technik, deren Hauptvertreter Alfred Schnittke war, geht es darum, in einem Stück verschiedene Stilrichtungen der Musik zu kombinieren und zu verarbeiten. Dementsprechend wird das dritte Streichquartett von Zitaten aus einem Stabat Mater vor Orlando di Lasso und aus Beethovens Großer Fuge op. 133 sowie von den Initialen des Namens von Dmitri Schostakowitsch „D-S-C-H“ getragen, die mit einem eigenen Thema Schnittkes über drei Sätze verarbeitet werden.
Die Uraufführung am 16. Mai 1984
Die Uraufführung des Werks war zunächst im Einverständnis mit dem Komponisten und der Universal Edition, bei der das Stück verlegt wird, dem niederländischen Orlando Quartett anvertraut. Da das Ensemble darauf bestand, die Uraufführung in den Niederlanden durchzuführen, entzog ihm die Gesellschaft für Neue Musik das Recht zur Uraufführung und vertraute es dem ungarischen Eder-Quartett an, das das Streichquartett Nr. 3 am 16. Mai 1984 in einem von der Gesellschaft für Neue Musik veranstalteten Konzert im Werkhaus-Studio des Nationaltheaters Mannheim zum ersten Mal öffentlich aufführte. Der Hinweis im Kammermusik-Führer von Harenberg, dass das Quartett im Januar 1984 vom russischen Beethoven Quartett in Moskau uraufgeführt worden sei, ist deshalb unrichtig.
Schnittke konnte an der Uraufführung leider nicht teilnehmen. Obwohl die Einladung zu dem Konzert in Mannheim über die Deutsche Botschaft erfolgte, versagte ihm die sowjetische Staatsführung die Genehmigung zur Ausreise. Für ein Konzert, das die Gesellschaft für Neue Musik mit drei Kammermusikwerken Schnittkes, unter anderem mit dem Klavierquintett im folgenden Jahr dem Komponisten widmete, erhielt Schnittke dann die Ausreisegenehmigung, konnte sie aber wegen einer schweren Erkrankung nicht wahrnehmen.
Die Uraufführung am 20. November 1987
Der zweite herausragende Kompositionsauftrag der Gesellschaft für Neue Musik Mannheim ging 1986 an den koreanischen Komponisten Isang Yun (1917-1995). Er hat sein unter dem Namen „Tapis pour Cordes“ komponiertes Streichquintett zum Gegenstand. Das Stück wurde am 20. November 1987 zum 70. Geburtstag Isang Yuns und in seiner Anwesenheit von Mitgliedern des Ensembles „Das Neue Werk“ aus Hamburg in Mannheim uraufgeführt. Wie das dritte Streichquartett Schnittkes zählt es heute zu den meist gespielten Werken seines Komponisten.



