Die Stuttgarter Liederhalle, gebaut von Rolf Gutbrod und Adolf Abel, ist mit dem ersten asymmetrischen Konzertsaal weltweit einzigartig. Mozart- und Silcher-Saal ergänzen den großartigen Beethoven-Saal trefflich. Verwaltet wird die Liederhalle von der Messegesellschaft, die vom Denkmalschutz dankenswerterweise an Änderungen gehindert wird, die dem bauhistorischen Rang des Gebäudes den Garaus machen würden. Denn dass auf der Website des KKL über die Liederhalle nur erwähnt wird, dass sie 1956 von Bürgermeister Hirn eröffnet wurde, aber keine Rede von den Architekten ist, spricht Bände.

Stuttgart, Liederhalle, Beethovensaal, 12. Februar 2015. Egal, ob man vom Parketteingang, von den Emporen oder den Logen in den Beethovensaal der Liederhalle schaut, bietet sich ein großartiges Raumerlebnis (Foto: Ursula Baus).
Vorgeschichte
Im Stadtlexikon Stuttgart ist die Baugeschichte der Liederhalle und ihrer Vorgänger recht gut besprochen, aber nicht illustriert. Es fing mit einer „Sängergesellschaft“ an, die den Namen „Stuttgarter Liederkranz“ trug. Oberbaurat Christian Friedrich Leins (1814-1892), der in der Wettbewerbsjury zum Neustadter Saalbau mitwirkte, bekam 1864 den Direktauftrag für die erste Liederhalle, die 1943 zerstört wurde. Im stark zerstörten Stuttgart standen Wohnungsbau im Vordergrund, erst 1949 schrieb der Stuttgarter Liederkranz zu seinem 125-jährigen Bestehen einen Wettbewerb „zur Erlangung von Vorentwürfen für die neue Liederhalle in Stuttgart als Konzert- und Tagungshaus“ aus; die Architektengemeinschaft Adolf Abel (1882-1968) aus München mit Rolf Gutbrod (1910-1999) aus Stuttgart und Hans Scharoun (1893-1972) aus Berlin gingen als erste Preisträger hervor und sollten in der zweiten Runde ihre Entwürfe überarbeiten. 1954 wurden Gutbrod und Abel beauftragt.

Stuttgart, Liederhalle, Beethovensaal, 12. Februar 2015 (Foto: Ursula Baus)
Stadträumlich wurde im wahrsten Sinne des Wortes Neuland betreten: Es entstand ein Solitär in einer Art „Stadtlandschaft“, die rechte Winkel und enge Straßenräume vergessen ließ. Eine Ehrfurcht gebietende, ikonographisch fixierte Fassade gibt es nicht, vielmehr offenbart sich eine in Sichtbeton mit Mosaiken ornamentierte Außenseite, die Mitte der 1950er Jahre geradezu revolutionär war.

Grundriss der Liederhalle. Rechts der Beethoven-Saal, in der oberen linken Ecke der Silcher-Saal, unten links der Mozart-Saal, rechts das Restaurant.
Zudem ging es mit den Konzepten für die drei Konzertsäle um unterschiedliche und neue Konzertsaaltypen: schräg und schief, geschwungen und unsymmetrisch bieten der Beethoven-Saal mit 2089 Plätzen, der Mozartsaal mit 752 Plätzen und der Silchersaal mit 320 Plätzen den Rahmen für wunderbare Symphonie- und Kammerkonzerte, Klavierabende und große Bälle.

Stuttgart, Liederhalle, Mozartsaal, 26. Januar 2026 (Foto: Wilfried Dechau)
Über die Akustik lässt sich nicht streiten: Sie ist in allen Sälen einfach einwandfrei, was ich in sehr vielen Konzerten immer wieder bestätigt hörte. Ob es 1980 eines der letzten Konzerte von Ella Fitzgerald und Count Basie im Beethovensaal oder das 1990 das 25-Jährige des Melos Quartetts war: Die Atmosphäre der Liederhalle gehört zum Besten, was von Konzertsälen erwartet werden darf.

Stuttgart, Liederhalle, 18. August 2007 (Foto: Wilfried Dechau)

Stuttgart, Liederhalle, Foyer, 26. Januar 2026 (Foto: Wilfried Dechau)
Technik
Angeboten werden
– Punktzuganlagen auf Bühne, Saal und Foyer
– separates Foyer auf zwei Ebenen
– hydraulisch verstellbare Bühne
– abtrennbare Chorbühne
– Springbrunnen
– Konzertorgel
Als Konzertflügel dient meist ein Steinway & Sons D-274. Mancher Pianist reist mit seinem eigenen Flügel an – dann kann auch mal ein Bösendorfer auf der Bühne stehen…

Stuttgart, Liederhalle, 2007, Plakette: »Konzerthaus Stuttgarter Liederhalle. Erbaut 1955-1956 von Adolf Abel und Rolf Gutbrod (Foto: Wilfried Dechau)



