Fonte Vivace, das Festival für Alte Musik in der Kulturregion Aachen, das 2026 vom 19. April bis 10. Mai veranstaltet wurde, fand an verschiedenen Orten in und um Aachen statt: im Kloster Steinfeld, im Ballsaal des Alten Kurhauses, im Spiegelfoyer des Theaters, in der Jugendmusikschule Heinsberg, in Grundschulen in Aachen und Würselen, in der Alten Kirche Linnich-Körrenzig, im Ludwig Forum, in der Salvatorkirche, in der Annakirche und im Töpfereimuseum Langerwehe, wo das Duo Wandervögel mit dem Programm »Saitenfeuer« begeisterte.
Töpfereimuseum Langerwehe
Pastoratsweg 1, 52379 Langerwehe
https://www.toepfereimuseum.de
Die im Kreis Düren gelegene Gemeinde Langerwehe kaufte in den 1930er Jahren den alten Pfarrhof, um die vom Lehrer Josef Schwarz zusammengetragene Sammlung Langerweher Töpferarbeiten bewahren und zeigen zu können. Der Ort Langerwehe lebte viele Jahrhunderte von der Töpferei, aber inzwischen ist das weitgehend Geschichte.
In den 1950er Jahren wurden die Stallungen des Pfarrhofs zu einer Töpferwerkstatt umgenutzt. Lothar Kurtz, einer der letzten seiner Zunft, lässt sich dort bei der Arbeit zuschauen. Anstelle der Scheune entstand – ebenfalls in den 1950er Jahren – jener Vortragssaal, in dem am 1. Mai 2026 eines der vielen Konzerte des Festivals »Fonte Vivace« stattfand.

Konzert im Vortragssaal des Töpfereimuseums. Duo Wandervögel, Anna Dmitrieva, Violine und Liza Solovey, Theorbe (Foto: Wilfried Dechau)
1. Mai 2026: Es ist keine gute Idee, an einem Feiertag, an dem alle Welt unterwegs ist, eine Zugreise zu unternehmen. Vier Stunden hätte die Fahrt dauern sollen. Es wurden fünf und drei davon stand ich im überfüllten und überhitzten Regionalexpress. In Langerwehe angekommen fand sich am Bahnhof weder Kiosk noch »coffee to go«, aber ein Wegweiser zum Töpfereimuseum. Und dort, im sonnigen Innenhof des Museums, gab es nicht nur Kaffee, sondern sogar selbst gebackenen Kuchen. Welch ein Genuss nach stressiger Anreise. Der Ort – mit allen Ortsteilen – hat etwa 15.000 Einwohner und kann, salopp gesagt, kulturell nicht aus dem Vollen schöpfen. Umso mehr zeigt sich, dass die Um- oder Mitnutzung des Bestands gerade für Musik ein fantastisches Angebot bieten kann. Der Saal des Töpfereimuseums bietet etwa 50 Personen Platz. Hohe Glasfenster und glatte Raumoberflächen lassen eine prekäre Akustik befürchten – unbegründet, dazu später.
Das Duo Wandervögel (Anna Dmitrieva, Violine und Liza Solovey, Theorbe) übte bereits im Vortragssaal, dem man seine Scheunen-Herkunft noch ansieht. Ein architektonisches Highlight ist das nicht. Und auch auf Blumentopf, Yucca-Palme und Holztruhe im Hintergrund hätte ich verzichten können. Vor allem auf die inzwischen wohl unvermeidlichen Leuchtdioden-Farb-Licht-Kanonen, die links und rechts der Musikerinnen einen roten Farbstreif an die Wand zauberten. Aber das Duo vermochte das alles vergessen zu machen, es öffnete und weitete den Raum mit hinreißenden Stücken von Nicola Matteis (1650-1714), Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704), Johann Sebastian Bach (1685-1750), Giovanni Girolamo Kapsberger (1580-1651) und anderen.
Die vielen vorwiegend glatten Flächen hatten bei mir die Befürchtung aufkommen lassen, die Akustik des Raumes könne problematisch sein. Dies war allerdings nicht der Fall. Im Gegenteil. Theorbe und die mit barockem Bogen gespielte Violine passten wunderbar zu dem kleinen Raum, in dem kaum mehr als fünfzig Zuhörer Platz finden. Welch ein Luxus: Gut eine Stunde »Saitenfeuer« für ganze 15 Euro. Und das in einer Atmosphäre, als hätten die beiden nur für mich gespielt. Die anderen Zuhörer dürften es ähnlich empfunden haben. Dem Beifall war es anzuhören. Der Leiter des Töpfereimuseums jedenfalls wünschte sich, auch bei künftigen fonte-vivace-Festivals wieder dabei zu sein.
Das Konzert im Töpfereimuseum Langerwehe war eines von insgesamt etwa einem Dutzend Konzerten des Festivals für Alte Musik. Mit den Konzerten im Ludwig Forum und in der Salvatorkirche ging das Festival am 9. und 10. Mai zuende.
Genaueres ist zu finden unter:
Fonte Vivace und Wohnzimmerkonzerte







